Knapp 200 Eutiner:innen nahmen an der Einwohnerversammlung zur klimaneutralen Energieversorgung bis 2040 teil – ein starkes Zeichen für das große Interesse an diesem wichtigen Thema. Die Veranstaltung bot eine offene Plattform für den Austausch mit den Stadtwerken Eutin.
Geschäftsführer Marc Mißling stellte die Herausforderungen und Planungen vor, die die Stadtwerke unternehmen das ehrgeizige Ziel zu erreichen.
Besonders die kommunale Wärmeplanung stieß auf großes Interesse. Geplante Wärmenetze in Eutin Nord und Süd werden in den kommenden Jahren ausgebaut, während für andere Gebiete individuelle Lösungen entwickelt werden. Insgesamt fließen 337 Millionen Euro in die nachhaltige Energieinfrastruktur der Stadt.
Fragen und Antworten der Einwohnerversammlung vom 26.02.2025
Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeigten, wie wichtig das Thema für die Bürger:innen ist. Die Veranstaltung ermöglichte einen intensiven Dialog und lieferte viele wertvolle Impulse. Die gestellten Fragen haben wir hier noch einmal aufgegriffen und beantwortet – damit Sie die wichtigsten Informationen jederzeit nachlesen können.
Uns ist es ein großes Anliegen, auf dem Infoportal Eutin 2040 stets aktuelle Daten und Fakten bereitzustellen. Jede Frage und jedes Thema, das Sie bewegt, hilft uns, die Informationen weiter zu verbessern.
Zudem stehen Ihnen unsere Expert:innen gerne für telefonische Auskünfte zur Verfügung – wir freuen uns auf den Austausch!
Wird es eine Verpflichtung zum Anschluss an das Fernwärmenetz geben?
Die Stadt Eutin hat zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Satzung verabschiedet, die eine Anschlusspflicht vorsieht. Sollte eine solche Satzung verabschiedet werden, gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Möglichkeiten, sich von der Anschlusspflicht befreien zu lassen, wenn man zum Beispiel bereits eine klimaneutrale Individuallösung umgesetzt hat.
Wird es die Möglichkeit geben selbst Wärme ins Netz einzuspeisen?
Vorbehaltlich der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit planen die Stadtwerke Eutin diese Möglichkeit anzubieten.
Können sich Bürgerinnen und Bürger finanziell an den Investitionen beteiligen?
Die Stadtwerke Eutin planen ein Programm, welches Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, eigenes Kapital in das Projekt Eutin 2040 zu investieren.
Werden die Stadtwerke Eutin auch in die Verrohrung im Haus investieren, z.B. bei Bestandsgebäuden, die aktuell mit Gasetagenheizungen geheizt werden?
Die Installation von Wärmeleitungen innerhalb von Gebäuden gehört nicht zum Leistungsumfang des Fernwärmeanschlusses. Gerne unterstützen Sie unsere Energieberater*innen bei der Suche nach einem geeigneten Handwerksbetrieb.
Gibt es Förderungen für Hausbesitzer*innen?
Der Ausbau von Wärmenetzen wird aktuell über die sogenannte BEW-Förderung (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze) gefördert, die durch die Stadtwerke Eutin beantragt werden. Die Förderung wird in die Wärmepreise kalkuliert und somit an die Endkunden weitergegeben.
Hinsichtlich der Möglichkeiten individueller Förderungen für den Hausbesitzer*innen behalten unsere Energieberater*innen die Förderkulisse stets im Blick und beraten Sie gerne auch zum Thema.
Wie wird die Wirtschaftlichkeit von Fernwärme sichergestellt?
In der kommunalen Wärmeplanung wurde anhand von Gebäude- und Leitungsdaten berechnet, in welchen Gebieten in Eutin ein Wärmenetz günstiger ist als eine individuelle Lösung. So werden Wärmenetze nur dort geplant, wo sie auch wirtschaftlich betrieben werden können.
Welchen Einfluss hat die geplante Wärmenutzung aus der Schwentine für das Ökosystem?
Alle bisherigen Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine Abkühlung der Gewässer durch die Entnahme von Wärme einen eher positiven Einfluss auf das Ökosystem hat.
Im Rahmen eines aufwendigen Genehmigungsverfahren werden die genauen Auswirkungen von allen Seiten beleuchtet und der Eingriff in die Ökosystem abgewogen.
Wie wird die Energie im Wärmekraftwerk Süd gewonnen?
Die Wärmegewinnung im Kraftwerk Süd soll überwiegend durch Solarthermie mit einem Erdbecken als Wärmespeicher, einem sogenannten PTES, erfolgen. Ergänzt wird diesen Kraftwerk um eine Kaskade aus Luft-Wärmepumpen und Biomassekesseln, in denen nachwachsende Rohstoffe verbrannt werden.
Wurden / werden andere Formen von Geothermie geprüft?
Ja. Die Stadtwerke Eutin prüfen in ihren Planungen alle in Frage kommenden Technologien zur Wärmegewinnung. Eine ausführliche Überprüfung der Nutzung von Tiefengeothermie führte zum Ergebnis, dass die sehr teure Erprobung und das Risko der Fündigkeit der entsprechenden wasserführenden Schichten in der Tiefe für ein Projekt in der Größe Eutins nicht wirtschaftlichen darzustellen ist.
In den aktuell geplanten Wärmegewinnungsgebieten steht auch die mitteltiefe Geothermie im Konflikt mit der Gewinnung von sauberem Trinkwasser. Sollten sich in noch zu erschließenden Gebieten potentiale zur Nutzung von Geothermie auftun, werden wir die Nutzung prüfen.
Werden Batteriespeicher eine Rolle spielen?
Im Rahmen des Ausbaus der Stromnetze prüfen wir auch die Nutzung von Batteriespeichern, um klimafreundlich gewonnen Energie auch in Zeiten von wenig Wind und Sonne nutzbar zu machen.
Reichen die Abschreibungen aus, um den technischen Abgang auszugleichen?
Ja.
Welchen Einfluss hat der CO2-Preis auf den Arbeitspreis der Fernwärme?
Im Zielszenario wird der Einfluss des CO2 Preises auf den Arbeitspreis der Fernwärme sehr gering sein, da die Wärme zu 100 % Prozent erneuerbar gewonnen werden wird.
Massiven Einfluss hat der CO2 Preis auf die Wirtschaftlichkeit der Nutzung von Gas- und Ölheizungen.
Von wem sind wir abhängig? Wem sind wir ausgeliefert?
Die Stadtwerke Eutin sind zu 100% in städtischer Hand und damit kommunalpolitisch beaufsichtigt. Gleichzeitig sind die Stadtwerke Eutin bereit ihre Fernwärmepreise freiwillig extern prüfen und regulieren zu lassen.
Woher kommt das Eigenkapital der Stadt Eutin?
Das Eigenkapital der Stadt Eutin ist kreditfinanziert. Der diesbezügliche Kapitaldienst soll im Haushalt über die Gewinnabführung der Stadtwerke Eutin gegenfinanziert werden. Durch eine gute Wirtschaftlichkeit ist mittelfristig sogar mit einem positiven Effekt auf den städtischen Haushalt zu rechnen.