Wer durch Schleswig-Holstein fährt, sieht sie überall: Windräder. Doch obwohl der Wind weht, stehen sie manchmal still. Das wirkt auf viele wie ein Widerspruch – denn wäre es nicht sinnvoll, gerade dann Strom zu erzeugen? Tatsächlich könnten viele dieser Windräder Strom liefern, doch in manchen Fällen dürfen sie es nicht. Der Grund dafür ist die sogenannte Abregelung – ein Thema, das auch für Eutin eine immer größere Rolle spielt. In anderen Fällen lohnt es sich nicht, die Windräder zu betreiben, weil die Stromnachfrage zeitweise zu gering ist, und ein niedriger oder sogar negativer Marktpreis in diesen Zeiten keinen Anreiz bietet, Strom zu erzeugen.
Was bedeutet Abregelung – und warum ist sie problematisch?
Abregelung bedeutet, dass ein Windrad zwar Strom erzeugen könnte, dieser aber nicht ins Stromnetz eingespeist werden kann, weil das Netz überlastet ist. In solchen Fällen wird das Windrad gezielt heruntergefahren oder ganz abgeschaltet. Das passiert vor allem in Regionen wie Schleswig-Holstein, wo durch Windkraft oft mehr Strom produziert wird, als vor Ort verbraucht werden kann. Gleichzeitig fehlen leistungsfähige Leitungen, um diesen Überschuss zuverlässig in andere Landesteile – etwa nach Süddeutschland – zu transportieren.
Die Folge:
Obwohl grüner Strom verfügbar wäre, bleibt er ungenutzt. Im Jahr 2023 wurde in Deutschland so viel Windstrom abgeregelt, dass man damit rund 2,5 Millionen Haushalte ein ganzes Jahr lang hätte versorgen können. Der Strom geht verloren – doch die Kosten bleiben: Betreiber von Windrädern erhalten Entschädigungen für die Abregelung. Diese Kosten tragen alle Stromkund:innen über die Netzentgelte. Anders gesagt: Wir zahlen für Strom, der nie produziert wurde.
Regionale Lösungen für ein nationales Problem
Während der Netzausbau bundesweit vorangetrieben werden muss, gibt es bereits heute sinnvolle Ansätze, die das Problem vor Ort entschärfen können. Eine Lösung ist, den Strom möglichst dort zu verbrauchen, wo er erzeugt wird – also direkt in der Region. Wenn mehr Haushalte auf Technologien wie Wärmepumpen, Elektroautos oder lokale Wärmenetze umsteigen, kann der Windstrom besser genutzt werden.
Auch moderne Speichertechnologien spielen eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen es, überschüssige Energie zwischenzuspeichern und später bedarfsgerecht einzusetzen – etwa in Form von Batterien oder durch die Umwandlung in Wasserstoff oder in (Fern-)Wärme. So helfen Speichertechnologien sowohl bei dem Problem, dass die Stromnetze überlastet sein können. Als auch dabei, dass die Stromnachfrage und die erneuerbare Stromerzeugung manchmal nicht zur gleichen Zeit auftreten.
Windstrom und Wärmepumpen zusammendenken
Gerade in Eutin ist dieses Thema aktuell: Die Stadtwerke Eutin stellen wichtige Weichen für eine klimafreundliche Zukunft – mit dem schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas und dem Aufbau eines erneuerbaren Wärmenetzes. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr Haushalte für eine Wärmepumpe, die zum Heizen Strom statt fossiler Energie nutzt.
Wärmepumpen benötigen besonders im Winter viel Strom – genau dann, wenn Windräder durch starke Winterwinde besonders viel Energie liefern können. Damit dieser Zusammenhang künftig besser funktioniert, berücksichtigt Eutin2040 bereits heute die wachsende Stromnachfrage in der Energieplanung – ebenso wie die Anbindung ans Stromnetz und mögliche Speicherlösungen. Ziel ist es, regional erzeugten Windstrom möglichst direkt für die Wärmeversorgung zu nutzen.
Nachhaltige Wärme für Eutin
Wenn es gelingt, Wärmepumpen mit Windstrom aus der Region zu betreiben, ist das ein echter Schritt in Richtung Klimaneutralität. Dafür müssen jedoch die Rahmenbedingungen stimmen: Der Strom muss zuverlässig im Netz ankommen, die nötige Infrastruktur muss ausgebaut werden, und Haushalte sowie öffentliche Gebäude müssen frühzeitig vorbereitet werden. Auch die Information und Beratung der Bürger:innen spielt dabei eine zentrale Rolle.
Eutin2040 unterstützt diesen Wandel mit systematischer Planung, individueller Förderberatung und konkreten Projekten in den Stadtteilen. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Windstrom nicht abgeregelt, sondern sinnvoll genutzt wird – direkt vor Ort, in unseren Häusern, Wärmenetzen und Lebensräumen.